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"Die Geliebten in anderen Häusern" - Unsere bookuck Empfehlungsaktion mit Münchner Verlegerinnen und Verlegern

Die Geliebten in anderen Häusern

Lehmkuhl hat Münchens Verlegerinnen und Verleger nach ihren heimlichen „Geliebten in anderen Häusern“ gefragt. Gemeint sind ihre Lieblingsbücher, die „leider“ in anderen Verlagshäusern erschienen sind.
Hier ist das Ergebnis, welches wir mit Empfehlungskärtchen, Banderolen und Plakat auf unserem Literatur-Flügel zum bookuck Tag der Münchner Buchhandlungen, dem 24. Juni 2017, präsentierten.

Jo Lendle (Hanser Verlag) empfiehlt:
Annette Mingels: Was alles war. Knaus Verlag, 19,99 €.

Was Familie ist, zeigt sich dort, wo sie anders ausfällt als erwartet. Als Susa erfährt, dass ihre Eltern sie adoptiert haben, stellt sie ihre Zugehörigkeit zu ihnen nicht in Frage. Aber sie macht sich auf die Suche nach ihrer Herkunft. Gleichzeitig verliebt sie sich in Henryk und lernt dessen Töchter kennen. Was in Deutschland beginnt, wird zum Road Trip durch Amerika, der Susas Blick aufs Verwandtsein verändert.
Stark, erfreulich unsentimental und mit raffinierter Dramaturgie erzählt Annette Mingels von einer Reise zu fremden Wurzeln. „Was alles war“ steht zu Recht auf der SWR-Bestenliste: Ein Buch für jeden, der Familie hat.

Felicitas von Lovenberg (Piper Verlag) empfiehlt:
Graham Swift: Ein Festtag. Aus dem Englischen von Susanne Höbel. dtv, 18,00 €.

Wie wird man eigentlich zum Schriftsteller? Auf diese Frage aller passionierten Leser gibt der große englische Erzähler Graham Swift in seinem schmalen Meisterwerk „Ein Festtag“ eine Antwort. Der Roman erzählt von den Begebenheiten eines einzigen Tages, dem 30. März 1924. Es ist ein sommerlich warmer Sonntag, Muttertag noch dazu, und Jane, das Dienstmädchen der Nivens, verbringt ihre freien Stunden im Bett von Paul, dem Sohn der prominenten Nachbarsfamilie Sheringham. Die beiden sind seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr ein heimliches Paar, doch nun steht Paul eine standesgemäße Hochzeit bevor, und ihr Stelldichein ist geprägt von einer freimütigen Sinnlichkeit ebenso wie von einer unausgesprochenen Abschiedsgewissheit. Swift schürzt seine Novelle mit gleich mehreren außergewöhnlichen Begebenheiten; der Clou aber ist die Perspektive, denn die Erzählerin dieses Tages ist niemand anderes als Jane, die als Neunzigjährige auf ihr Leben zurückblickt und in diesem so glücklichen wie tragischen Tag den Beginn ihrer schriftstellerischen Karriere erkennt. Ein Buch, das man rasch lesen, aber nicht mehr vergessen kann.

Antje Kunstmann (Kunstmann Verlag) empfiehlt:
Roberto Bolano: Die romantischen Hunde. Aus dem Spanischen von Christian Hansen und Heinrich von Berenberg. Hanser Verlag, 20 €.

Es ist diese faszinierende Mischung aus Alltagsbeobachtungen und so selbstverständlichen wie klugen Verweisen auf die Literatur- und Kunstgeschichte, aus persönlicher Geschichte und Zeitgeschichte, die die Bücher des großen lateinamerikanischen Autors Roberto Bolano so unverwechselbar und reich machen. „Die romantischen Hunde“ , seine Gedichte - oder sollte man besser sagen diese Geschichten in rhythmisierter Sprache - erzählen vom Leben, von den Träumen einer Generation, die die Welt verändern wollte. Sie sind melancholisch, witzig, skurril. Sie sind bewegend und ganz und gar einzigartig. Literatur, wie man sie sich besser nicht wünschen kann.

Thomas Rathnow (Die Penguin Verlage) empfiehlt:
Toni Morrison: Gott, hilf dem Kind. Aus dem Amerikanischen von Thomas Piltz. Rowohlt Verlag, 19,95 €.

Wie schon in früheren Werken, ist Rassismus eines der großen Themen in Toni Morrisons elftem Roman „Gott, hilf dem Kind“. Ohne Zweifel handelt es sich um ein hochpolitisches Buch, aber seine Brisanz liegt nicht in einer politischen oder moralischen Botschaft. Die Kraft des Buches entsteht vielmehr aus der sprachlichen Kunst der Autorin, aus der moralischen Ambivalenz ihrer Figuren, aus überraschenden Bildern und der Genauigkeit von Beobachtungen. Dieser kurze Roman der 1931 geborenen Nobelpreisträgerin, die u.a. als Lektorin bei Random House viel für die Anerkennung der afroamerikanischen Literatur geleistet hat, handelt von Gewalt, und er zeigt auf beklemmende Weise, wie Schuld und Scham das Leben von Menschen vergiften können. Das richtige Buch für Leserinnen und Leser, die unsere Zeit literarisch reflektieren wollen.

Horst Lauinger (Manesse Verlag) empfiehlt:
Henry James: In Venedig. Begleitet von Hanns-Josef Ortheil. In einer Übersetzung von Helmut Moysich. Dieterich ́sche Verlagsbuchhandlung, 24 €.

Alle waren sie hier: die Schaulustigen und die Trostbedürftigen, die Lebenskünstler und die Todgeweihten. Auch der große Henry James hatte in Venedig sein Initiationserlebnis. Es war keineswegs Liebe auf den ersten Blick, zu reserviert begegnete der junge Puritaner anfangs der „melancholischsten aller Städte“, „dieser alten Hexe mit dem traurigen Blick“. Was sich dann aber entspann, mündete in eine Amour fou, wie sie sich stilvoller kaum denken lässt: „überschwängliche Vernarrtheit“ (in James‘ Worten). Zauberhafte Wendungen, Orte, Bilder, in Szene gesetzt von einem so klugen wie uneitlen Cicerone. Hanns-Josef Ortheil gelingt mit seinem wunderbaren Essay- und Porträtband das Kunststück einer luziden Doppelhommage: „Henry James in Venedig“ (fein verlegt von der Handbibliothek Dieterich) gehört ins Handgepäck jedes Biennale-Besuchers 2017!

Georg Reuchlein (Goldmann Verlage) empfiehlt:
Julian Barnes: Der Lärm der Zeit. Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 20 €.

Kaum ein Autor zeichnet sich durch so viel Wissen und Esprit aus, durch so viel psychologische Feinfühligkeit und tiefe Menschlichkeit wie Julian Barnes. Sein jüngster Roman erzählt vom Leben des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch, der 1936 unter Stalin von einem Tag auf den anderen in Ungnade fiel. Aber es geht um viel mehr als nur um Kunst oder Musik, um Geschichte oder Politik. Es geht um das ganze Leben, darum, was ständige Angst, Verunsicherung und politische Verfolgung aus einem Menschen machen, wie sie dessen Selbstbewusstsein und Würde erschüttern, wenn nicht gar für immer zerstören können. Man lernt in den Romanen von Julian Barnes unglaublich viel, ohne sich je belehrt zu fühlen - über die Welt und das Leben, die Kunst und die Liebe, den Menschen und nicht zuletzt über sich selbst. Das ist die große Kunst dieses einzigartigen Erzählers, und das macht seine Bücher so faszinierend, menschlich und zutiefst sympathisch.

Ulrich Genzler (Heyne Verlage) empfiehlt:
Jörg Später: Siegfried Kracauer. Eine Biographie. Suhrkamp Verlag, 39,95 €.

Siegfried Kracauer hat mich schon seit meiner Studienzeit brennend interessiert: Für mich ist er einer der unterschätztesten modernen Denker, ausgestattet mit breiter Bildung, erstaunlichen Vorlieben und bewundernswerten Fähigkeiten. Er war auf Augenhöhe mit den großen Philosophen seiner Zeit, oft aber auch nur Außenstehender mit Beobachterstatus, und als Jude wurde er Opfer der Brutalitäten des 20. Jahrhunderts. Über sein Leben konnte man durch seine beiden sehr autobiographischen Romane „Ginster“ und „Georg“ schon viel erfahren. Jetzt aber hat der Historiker Jörg Später die erste umfassende Biographie vorgelegt. Er hat die schillernde Gesamtpersönlichkeit Kracauers im Blick, der keiner wissenschaftlichen Disziplin angehörte, aber in vielen zu Hause war: von der Architektur bis zur Filmkritik, von der Philosophie bis zur Sozialwissenschaft. So entstand ein Werk, in dem man sich über 700 faszinierende Seiten wie ein Flaneur verlieren kann, in dem aber immer wieder der Blick geöffnet wird von Kracauers individueller Lebenswelt zum Verständnis unserer Zeit.

Sebastian Zembol (Mixtvision Verlag) empfiehlt:
Yuval Noah Harari: Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen. Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Verlag C.H. Beck, 24,95 €

Mein aktueller Lieblingstitel ist „Homo Deus“, das neue Buch von Yuval Noah Harari aus dem C.H. Beck Verlag. Der junge Historiker wagt einen Blick in die Zukunft der Menschheit und skizziert die damit verbundenen Herausforderungen. Der ungeschönte Blick auf den Humanismus und auf das, was uns heute antreibt und unsere Wertvorstellungen fundamental verändert, wird sicherlich ebenso polarisieren, wie die schonungslose Einordnung aller Religionen, denen er auch Staats- und Wirtschaftsformen zurechnet. Auch die zunehmende Verschmelzung von Mensch und Technologie wirft viele Fragen auf. Einigen sind Hararis Prognosen zu düster. Ich finde seine Klarheit bemerkenswert. Sie ist auffordernd, erfrischend und inspirierend, um neu über das Leben nachzudenken – und ein Appell, unsere Zukunft mitzugestalten. Ein großartiges Buch!

Wolfgang Ferchl (Knaus Verlag) empfiehlt:
Matthias Politycki: Schrecklich schön und weit und wild. Hoffmann & Campe Verlag, 22 €.

Ob man selbst gerne reist (wie ich) oder ein „armchair traveller“ ist, mit Matthias Polityckis „Schrecklich schön...“ bekommt man für nur 22 € jede Menge „Welt“, Abenteuer und viele bestätigende, aber auch überraschende Erkenntnisse und Einsichten. Und gut schreiben kann der Mann auch. Lesen Sie zum Beispiel einfach mal eines der wenigen in das Buch eingestreuten Gedichte wie „Verzagt“ auf Seite 216. Ach, mit Reisen haben Sie es nicht so? Dann nehmen Sie es mit als Geschenk für jemanden, der gern unterwegs ist in fernen Ländern. Er wird es Ihnen danken.

Jürgen Christian Kill (Liebeskind Verlag) empfiehlt:
Katie Kitamura: Trennung. Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Hanser Verlag, 22 €.

Katie Kitamura ist mit unserem Autor Hari Kunzru verheiratet, es lag also nahe, dass ich erwartungsvoll ihren neuen Roman »Trennung« zur Hand genommen habe. Die amerikanische Autorin erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die nach Griechenland reist, um dort nach ihrem verschollenen Mann zu suchen. Freunde und Familie wissen bislang nicht, dass sich das Paar vor Monaten schon getrennt hat, und die junge Frau weigert sich auch weiterhin standhaft, die Wahrheit über ihre Ehe preiszugeben. Irgendwann wird ihr Mann mit einer anderen Frau gesehen. Und bald darauf ermordet aufgefunden. Doch darüber wundert man sich als Leser längst nicht mehr ... Katie Kitamuras Roman »Trennung« ist das perfekte Buch für den Sommer, schwebend, geheimnisvoll, eiskalt.

Jonathan Beck (Beck Verlag) empfiehlt:
Samantha Friedman: Matisse und sein Garten. Aus dem Amerikanischen von Kati Hertzsch. Diogenes Verlag, 20 €.

"Ein Garten im Buch zum Selbermachen für alle, die keinen eigenen Garten haben oder deren Garten nicht so wächst, wie sie sich das erträumen."

 

 

 

 

 

 

Empfehlungsaktion

Münchner Verlegerinnen und Verleger empfehlen "fremd"
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Die Buchhandlung Lehmkuhl wurde in Heidelberg von Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit dem Gütesiegel des Deutschen Buchhandlungspreises 2016 ausgezeichnet!
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