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Empfehlungen von Anna-Sophia Mäder

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Eli Gottlieb
Best Boy

C.H. Beck, € 19,95

In Eli Gottliebs Roman ‚Best Boy‘ tauchen wir ganz tief in die Welt des Ich-Erzählers Todd Aaron ein, einem Mann von etwa vierzig Jahren, der am Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus leidet. Eigentlich geht es ihm, abgesehen davon, dass ihm seine verstorbene Mutter schrecklich fehlt, im Payton Living Center ziemlich gut. Sein Bruder Nate ruft ihn regelmäßig an, die Pflegerinnen sind nett und aufgrund seines Status als einem der am längsten im Heim wohnhaften Bewohner, besitzt er einige Privilegien. Er ist nämlich bekannt als der ‚Best Boy‘: er nimmt seine Medikamente regelmäßig und muss deshalb nicht mehr so streng beaufsichtigt werden wie die meisten anderen. Außerdem steckt er seine Nase nicht in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen und geht höflich und ‚gentlemanlike‘ mit den Frauen um. Doch eines Tages taucht ein neuer Pfleger auf und Todd wird misstrauisch.

Die Beschreibung von Todds Gefühlen, die für den ‚gesunden‘ Leser nachvollziehbar sind, ist sehr spannend; ebenso fasziniert die abgeklärte Erzählweise mit der Todd über sich und sein Umfeld berichtet, fast so als würde er sein Verhalten selbst als merkwürdig wahrnehmen und müsse es dem Leser entsprechend erklären – eine sehr ungewöhnliche Erzähltechnik.

Der Roman von Gottlieb ist unheimlich anrührend, intensiv, nachdenklich und gleichzeitig urkomisch, sodass ich bei der Lektüre regelmäßig schmunzeln musste. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Buch, an das man sich lange erinnern wird.

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Miranda July
Der erste fiese Typ

Kiepenheuer & Witsch, € 19,99

„Der erste fiese Typ“ ist unter anderem die Geschichte einer Dreiecksbeziehung, allerdings keiner gewöhnlichen. Neben zum Teil völlig unerwarteten Wendungen überraschen einen ständig neu zutage tretende psychologisch-pathologische Charakterzüge der drei Hauptcharaktere, die alle auf ihre Weise etwas obsessiv sind. Ob es die Ich-Erzählerin Cheryl selbst ist, die ein so ungewöhnliches Außenseitertum lebt oder die sprunghafte und im Leben absolut noch nicht angekommene Clee, die Tochter von Cheryls Chef, die Cheryls verkorkste, aber für sie funktionierende Welt vom einen Tag auf den anderen auf den Kopf stellt. Es stellt sich heraus, dass Clee, wohin sie auch kommt, vollständiges Chaos verbreitet. Cheryl, Mitte 40, lebt allein und das soll auch so bleiben. So besitzt sie vorsichtshalber nur jeweils einen Löffel, eine Gabel, einen Teller, etc. und verteilt ihre Ressourcen effektiv („Wenn Sie schon ein Buch lesen müssen, dann tun Sie es doch gleich neben dem Bücherregal und halten den Finger in die Lücke, damit Sie es dann wieder zurückstellen können!“). Außerdem ist sie seit Ewigkeiten in ihren 20 Jahre älteren Kollegen Philipp verliebt, der sich seinerseits wiederum der Liebe einer Zwanzigjährigen nicht entziehen kann. Doch die eigentlich faszinierende Beziehung ist die zu Clee, die die zunächst etwas eingemottete Cheryl komplett neu herausfordert. Clee greift sie nicht nur emotional, sondern tatsächlich körperlich an, nämlich im Rahmen ihrer verabredeten Selbstverteidigungskämpfe zu Fitnesszwecken, während derer sich, wie sollte es anders sein, zu allem Grotesken der Situation noch eine sexuelle Anziehungskraft zwischen den beiden Frauen gesellt. Und dann ist da noch Kubelko, ein ‚universales‘ Baby, also eines mit wechselnden Identitäten, das Cheryl bei der Ordnung ihres Lebens in Form einer Art viel zu erwachsener Stimme aus dem Off zur Seite steht. Wenn die Handlung nicht bis zu diesem Element hin schon grotesk genug war – dieses Motiv ‚schießt den Vogel ab‘.

Manche Wendungen in der Handlung sind so unerwartet und absurd, dass man entweder lachen muss oder aber fassungslos dasitzt und gerade dies macht das Buch zu einer erfrischenden und extrem ungewöhnlichen Lektüre, die unbedingt zu empfehlen ist, wenn man nach einem Buch sucht, das etwas anders sein soll.

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Marina Keegan
Das Gegenteil von Einsamkeit

S. Fischer 2015, € 18,99

Marina Keegan hat mit „Das Gegenteil von Einsamkeit“ eine ganz erstaunliche Sammlung von Essays vorgelegt.

Eine beeindruckende sprachliche Reife und Treffsicherheit paart sich mit der unbeschwerten Leichtigkeit der jugendlichen Erlebnisse und diese Kombination überraschte mich sehr, denn das Buch verdient es keinesfalls, wie man vielleicht zunächst aufgrund ihres Alters erwarten könnte, als Dokumentation jugendlichen Leichtsinns oder banale Unterhaltungsliteratur abgestempelt zu werden. Viel Mut und Optimismus, etwas Romantik, eine ganz eigene Frechheit und sehr überraschende, weil treffende und intelligente Beobachtungen unter anderem ihrer eigenen Generation verpackt Marina Keegan in Erzählungen von so feiner, witziger und gleichsam erwachsener, kluger Sprache, dass man fast neidisch werden könnte, was sie da trotz ihres jungen Alters hervorgebracht hat.

Man kann sich in alle ihre Figuren hineinversetzen, über diese und mit ihnen lachen und überhaupt fühlt man sich nach der Lektüre dieses Buches erfrischt und hat das Gefühl, alle diese alltäglichen, aber durch die Art ihrer Beschreibung verlockenden Dinge währenddessen selbst miterlebt zu haben.

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Jean Luc Seigle
Ich schreibe Ihnen im Dunklen
C.H. Beck Verlag, € 19,95
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