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Empfehlungen von Dunja Hoyh

Bov Bjerg - Auerhaus

Blumenbar 2015,  € 18,00

Die frühen 80er irgendwo in der schwäbischen Provinz: sechs Freunde, die kurz vor dem Abitur stehen, wollen, dass Ihr Leben nicht so langweilig und vorhersehbar verläuft, wie das ihrer Eltern. Sie sind sich sicher, es kann nicht nur aus den Kapiteln „Geburt“, „Schule“, „Arbeit“ und „Tod“ bestehen, da muss es noch mehr geben. Aber eine genaue Vorstellung haben sie auch nicht.

Frieder, Bauernsohn und hochintelligent - der beste Freund Höppners, dem Ich-Erzähler in der Geschichte - landet nach einem Selbstmordversuch in der Klapse. Als er entlassen wird, soll Frieder nicht wieder zu Hause, aber auch nicht alleine wohnen. Um ihn im Auge zu behalten und dem verhassten neuen Freund seiner Mutter zu entkommen, ziehen Höppner und seine Freundin Vera mit ins alte Haus von Frieders Opa. Dazu stoßen noch Veras Freundin Cäcilia, die bildhübsche, pyromanische Pauline aus der Psychiatrie und der schwule Elektriker Harry, der gerne Joints mit selbst angebautem Gras raucht. Jetzt ist die WG komplett.   

Im Haus gibt es nur eine Musikkassette, Tag ein, Tag aus läuft der Song „Our House“ von Madness.  Bauer Seidel, der Nachbar, kann kein Englisch, so wird aus der WG schnell das „Auerhaus“. 
Für die sechs Freunde beginnt eine Zeit der Freiheit und des Ausprobierens: der Testlauf für das Erwachsenwerden. Außer Reichweite elterlicher Kontrolle organisieren sie auf unkonventionelle Art und Weise Ihren Alltag. Sie wollen es anders machen - nicht unbedingt besser, aber anders. Geld ist Mangelware, deshalb wird das, was sie brauchen, beschafft. Ansonsten füllen die sechs Freunde ihre Tage mit Federballspielen, reden, essen, trinken, Musik hören, reden, lernen, sich vor der Musterung drücken und wieder reden. Alles, was im Auerhaus zählt, ist das „Zusammen“, „Zusammen“ im Jetzt, auch wenn über allem immer die Angst um Frieders Leben hängt. Und irgendwie ist dem Leser auch klar, dass das Glück im Auerhaus nicht für die Ewigkeit gemacht ist. 
Warmherzig und mit einem Augenzwinkern, doch unsentimental erzählt Bov Bjerg vom Mut und dem Drang der Jugend das Neue zu wagen, Grenzen zu überschreiten, gepaart mit der Hilflosigkeit und Verzweiflung, wenn man dann doch an Grenzen stößt.   

Mir hat das Buch beim Lesen sehr viel Spaß gemacht, auch wenn die Geschichte um das Auerhaus eigentlich einen ziemlich ernsten, traurigen Rahmen hat. Der Idealismus der sechs Jugendlichen, mit dem sie versuchen, Frieder und sich gegenseitig Halt zu geben, klang bei mir noch lange nach.

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