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Empfehlungen von Nathalie Mock

Lilli Thal - Die Puppenspieler von Flore

ab 14 Jahren, Gerstenberg, 19,95€

Die Staaten Flore und Corona sind Todfeinde und ringen um die Weltmacht. Tomaso, 16 Jahre alt, kommt aus Parman, einem coronischen Satellitenstaat. Er und 19 weitere Jugendliche werden eines Tages vom coronischen Geheimdienst abgeholt und müssen von nun an ein hartes Trainingsprogramm absolvieren. Ihre Mission: als Dienstboten in Flore anheuern und spionieren. Tomaso kommt dabei die wichtigste Aufgabe zu. Er kommt in den Haushalt des zweitwichtigsten Mannes von Flore, Marschall Utuk…

Ein fesselnder Roman! Für den geschichtskennenden Leser mit eindeutigen Parallelen zur Sowjetunion und den USA in den 80er Jahren. Aber auch ohne dieses Wissen ist dieses Buch ein Jugendbuch, das sich dadurch auszeichnet, dass es die Komplexität der Welt nicht verschweigt: die Welt ist nicht schwarz-weiß, es gibt keine eindeutigen Siege und keine eindeutigen Niederlagen, keinen „guten“ Staat, keinen „bösen“. Häufig besteht die eigene Leistung nur darin, durchs Leben zu stolpern und dabei nicht auf der Strecke zu bleiben. Daneben ist es aber auch einfach ein packender Abenteuerroman mit sympathischen Hauptfiguren, den man nicht mehr aus der Hand legen kann. Unbedingt lesen!

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Joseph Lambert - Sprechende Hände

Egmont Graphic Novel, 19,99€

Wie kann ein Comic –immerhin ein komplett visuelles Medium- über eine Person aussehen, die weder sehen noch hören kann?
Ziemlich gut, wie die Graphic Novel „Sprechende Hände“ von Joseph Lambert beweist. Helen Keller, 1880 geboren, verliert im Alter von 19 Monaten aufgrund einer Hirnhautentzündung ihr Seh- und Hörvermögen. Mit Sieben ist sie ungebändigt und wild, sie ist nicht in der Lage, das, was sie von ihrer Umgebung wahrnimmt, zu entschlüsseln und zu verstehen. Bis Annie Sullivan, junge Lehrerin einer Blindenschule, zur Familie stößt, um Helen zu unterrichten. Ein zäher Kampf beginnt, den Annie mit einem noch zäheren Willen zu bestehen weiß.

Was mit Worten schwer zu beschreiben und durch reines Denkvermögen fast nicht vorstellbar ist, gelingt Lambert durch seine Bildgestaltung: dem Leser nachvollziehbar zu machen, wie es innerhalb von Helen aussieht. Was Helen wahrnimmt. Wie das, was sie wahrnimmt, bei ihr ankommt. Durch sehr kleine, dafür aber viele Panels auf einer Seite, wirkt die Atmosphäre sehr beklemmend und eng. Die Bilder sind so eingeschränkt, wie das Wahrnehmungsvermögen von Helen ist.

Ein eindrucksvoller, seine visuellen Möglichkeiten und Stärken voll ausschöpfender Comic. Unbedingt lesen!

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Tommi Musturi - Das Handbuch der Hoffnung

Avant, 29,95€

Irgendwo in der Einöde Finnlands steht ein Haus, ziemlich verwaist im Wald. Dort verbringt ein Mann zusammen mit seiner Frau, die allerdings erst sehr spät in Erscheinung tritt, seinen Lebensabend.

Jede Seite ist in acht gleich große Panel unterteilt, die Handlung ist minimal, teilweise beinahe in Zeitlupe gezeichnet, zum Beispiel, wenn der Herr sich bemüht, aus dem Sessel aufzustehen oder sich am Hintern kratzt. Er hat sich eingerichtet in seinen Gewohnheiten, in seinem eingeschränkten Lebensumfeld, und strahlt -vielleicht gerade dadurch- Ausgeglichenheit und Gelassenheit aus.

Es sind kleine Episoden, Alltäglichkeiten, die Tommi Musturi da einfängt. Doch der alte Herr philosophiert über das Leben und über den Tod; wenn er abends im Bett liegt, wenn er am Feuer sitzt, wenn er im Sessel Zeitung liest oder wenn er angelt. Wir finden hier Geschichten voller Poesie und Harmonie, voller finnischer Melancholie und verstecktem Humor, kleine graphische Gedichte. Das Bild macht die Geschichte erst komplett, oder erzählt sogar eine eigene. Hier muss man genau hinschauen. Doch das macht man auch sehr gerne!

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Scott McCloud - Der Bildhauer

Carlsen, 34,99€

David Smith, 26, junger Bildhauer, ist verzweifelt. Freundin weg, Job in einer Imbissbude weg, die vielversprechend begonnene Karriere als Künstler zunichte gemacht. Da trifft er auf den Tod. Dieser bietet ihm einen Handel an: David erhält die Gabe, jedes Material mit bloßen Händen nach seinem Willen formen zu können. Der Preis: Er hat er nur noch 200 Tage zu leben. David schlägt ein.

Ein faustischer Handel, allerdings nicht mit dem Satan, sondern dem Tod. 496 Seiten stark ist diese Graphic Novel, ein Künstlerroman, das nach dem Wesen der Kunst fragt, nach dem Selbstverständnis des Künstlers und seinen Platz in der Welt. Darüber hinaus ist es aber auch ein großartiger Liebesroman, eine Hommage an Scott McClouds eigene Frau.

Es ist die erste Graphic Novel von Scott McCloud, einem Comicautoren, der sich mit seinen gezeichneten theoretischen Abhandlungen über den Comic („Comics richtig lesen“, „Comics richtig zeichnen“) einen Namen gemacht hat. Nun beweist er, dass er in der Lage ist, seine Theorien eindrucksvoll in die Praxis umzusetzen. Erkennt man anfangs noch die Tricks wieder, die er in „Comics richtig lesen“ beschreibt, wird der Leser aber im Laufe des Buchs immer mehr in die Geschichte hineingezogen, und man vergisst alle Theorie. Seinem eigenen Anspruch, dass die Geschichte vor allen zeichnerischen Experimenten an erster Stelle steht, wird er absolut gerecht. Und doch bricht sich seine Liebe zu den grafischen, nur dem Comic eigenen, formalen Erzählmöglichkeiten immer wieder Bahn, zum Beispiel wenn ganz New York auf einmal in eine Hand passt oder sich der Gehsteig in einen riesigen Kalender voller Löcher verwandelt. Gerade das macht diesen Comic aber so besonders, denn selten vermögen es Comiczeichner, diese beiden Gegenpole so ausgewogen miteinander zu verbinden.

Liebevolle detailgetreue Hintergründe werden geschickt mit der Dynamik des japanischen Manga, die Scott McCloud so bewundert, verknüpft. Es sind klare Zeichnungen, auch da dem Manga ähnlich. Die einzige Farbe, die sich der Autor erlaubt, ist blau.

Hochspannend, hochphilosophisch und grafisch absolut überzeugend. Ein Hochgenuss!

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Barbara Yelin - Irmina

Reprodukt, 39,-€

Ein 19- jähriges Mädchen aus Stuttgart, voll Freiheitsdrang und großer Pläne, macht einen Austausch nach England, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. So wie das heutzutage eigentlich fast jeder Jugendliche mindestens einmal macht. Irmina aber geht im Jahre 1934 nach London, beginnt eine Ausbildung als Fremdsprachensekretärin und freundet sich mit dem dunkelhäutigen Oxford-S tudenten Howard an. Sie verbringt dort eine glückliche Zeit, bis die politischen Umstände Irmina zwingen, 1935 nach Hause zurückzukehren. Ihr sehnlichster Wunsch ist, finanziell unabhängig zu werden und so schnell wie möglich wieder nach England zu fahren. Doch das geht nur, wenn sie die Augen vor der Realität verschließt. Barbara Yelins Graphic Novel ist bereits durch ihren wunderschönen Zeichenstil ein Juwel: Eine impressionistisch anmutende Wasserfarbenkulisse, klar umrissen mit vielen Blau- und Grautönen. Mit 272 Seiten haben wir auch einen richtigen Wälzer vor uns, der uns hineinzieht in die Alltagssituation der deutschen Durchschnittsbevölkerung im Dritten Reich, und uns mit der immer wiederkehrenden Frage konfrontiert: Wie hätte ich mich damals verhalten? Unbedingt lesen!

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Die Buchhandlung Lehmkuhl wurde in Heidelberg von Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit dem Gütesiegel des Deutschen Buchhandlungspreises 2016 ausgezeichnet!
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